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Methan, Kühe und der Klimawandel –
Ein verbreiteter Irrglaube

In der Klimadebatte wird das Thema Methan & Kühe immer wieder heiß diskutiert. Es kursieren Behauptungen, wie "Die Kuh ist ein Klimakiller" oder "Kühe sind am Klimawandel beteiligt". Auch wurden bereits Forderungen laut auf Kühe, Milch und deren Erzeugnisse zu verzichten.

Dabei ist der Methanausstoß von Rindern und deren Beitrag zum Treibhauseffekt ein zu Unrecht verteufelter Sachverhalt. In diesem Artikel werden aktuelle Fakten beleuchtet, um mit dem weitverbreiteten Irrglauben, die Kuh sei ein Klimakiller, aufzuräumen.

Was ist Methan?

Bevor diskutiert wird, wie viel Methan Kühe produzieren, sollte geklärt werden, was Methan ist. Bei Methan handelt es sich um ein farbloses, hochentzündliches Gas, das 28-mal klimaschädlicher ist als CO2. Methan ist weltweit mit ca. 20 % am gesamten Treibhausgaseffekt beteiligt, in Deutschland dagegen liegen wir insgesamt bei einer Beteiligung von 6 %. Methan ist im Vergleich zu CO2 jedoch abbaubar. Seine Lebenszeit beträgt in der Atmosphäre durchschnittlich 12,4 Jahre und ist damit deutlich kürzer als die von CO2, das bis zu 1000 Jahre überdauert.

Quelle:

  • Umweltbundesamt
  • Kyoto-Protokoll

Wie viel Methan in CO2-Äquivalent stößt eine Kuh tatsächlich aus?

Dem gesamten einer Kuh zugerechneten CO2-Ausstoß werden auch die Futtererzeugung und Futterimporte mit 30 %, die Lagerung der Wirtschafts­dünger (Gülle, Mist) mit 17 % und die Jungrinder­nachzucht mit 16 % angerechnet.

Letztendlich beträgt der Anteil am Methan­ausstoß in CO2-Äquivalent umgerechnet, den die Kuh bei der Milch­erzeugung aus der ruminalen Verdauung verursacht, lediglich 37 %.

Bereits hier wird deutlich, dass es noch einige weitere Einspar­potenziale gibt.

Zum Beispiel mit einer guten Tier­gesundheit, einem Verzicht auf Futter­mittel­importe, einer dem Bedarf angepassten Rations­gestaltung und mit einer schnellen Einarbeitung der Gülle können die Emissionen aus dem Kuhstall auf ein Minimum reduziert werden.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität Kiel In: Elite-Magazin

Der Beitrag von Kühen zum Klimawandel

Doch wie viel Klimakiller steckt angesichts dieser Werte wirklich in der Kuh?

Tatsächlich macht das durch die Tier­haltung verursachte Methan in Deutschland gerade mal 2 % des gesamten Ausstoßes an Treibhaus­gasen aus. Bei dieser Rechnung wird bereits berücksichtigt, dass Methan klimaschädlicher ist als CO2.

Auch die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hat ihre bisherigen Angaben, dass die gesamte Wertschöpfungs­kette Milch für 18 % der Treibhaus­emissionen verantwortlich sei, relativiert und schreibt ihr für den weltweiten Emissions­anteil nunmehr 4 % zu. Dabei ist die angeschlossene Rindfleisch­produktion bereits eingerechnet.

Dies zeigt, dass andere Bereiche einen deutlich größeren Teil zum Methan­ausstoß und dem damit verbundenen Treibhaus­effekt beitragen.

Quelle:

  • top-agrar: Kühe sind keine Klimakiller!
  • FAO Food and Agriculture Organization of the United Nations
Kalb trinkt Milch bei der Mutter auf der Weide

Wer produziert noch Methan?

Neben dem von Rindern verursachten Methan tragen viele weitere Quellen zu dessen Emission bei.

Pflanzen

Zum einen ist der Methanausstoß von Pflanzen seit jeher für einen Teil des Methangasgehaltes in der Atmosphäre verantwortlich.

Berechnungen zufolge produzieren Pflanzen weltweit 10 bis 30 Prozent des gesamten Methananfalls pro Jahr

Quelle: Frank Keppler Max-Planck-Institut für Kernphysik

 

Tiere

Zum anderen beteiligen sich auch andere Pflanzenfresser durch ihren Verdauungsprozess an der Emission.

Denn nicht nur Kühe scheiden Methan aus. Schon vor 500 Jahren produzierten 26 Mio. Elefanten genau so viel Methan wie derzeit alle europäischen Kühe zusammen.

Quelle: Prof. Dr. Peer Ederer

Ökosysteme

Auch der Faulprozess organischer Stoffe unter Luftabschluss, wie etwa am Grund von Gewässern und in Sümpfen, generiert stetig Methan.

Ein besonderes Risiko stellt das am Meeresgrund lagernde Methanhydrat, auch Methaneis genannt, dar.

Steigt die Meerestemperatur, kann sich das Methanhydrat zu Methan umwandeln und in die Atmosphäre gelangen.

Die am Meeresgrund vorhandenen Methanhydratvorkommen werden auf 500 - 3000 Gigatonnen geschätzt.

Quelle:

  • B. Buffet, D. Archer: Global inventory of methane clathrate: Sensitivität to changes in the deep ocean. In: Earth and Planetary Science Letters
  • A. V. Milkov: Global estimates of hydrate-bound gas in marine sediments: how much is really out there? In: Earth-Science Reviews

Industrie

Einen beachtlichen Beitrag zum Methanausstoß leisten daneben vor allem der Kohleabbau, das Fracking, die Erdgasförderung sowie dessen Verteilung.

Ein wahrer Treibhausgas-Hotspot ist beispielsweise die Region Four Corners – eine 6.500 km² große Fläche in den USA. Satellitenbilder zeigen, dass in diesem Gebiet durch Kohleabbau und das Fracking gewaltige Mengen Methan freigesetzt werden.


Im Vergleich zu diesen Faktoren relativiert sich die Methanproduktion der Kuh erheblich.

Quelle:

  • mbe: Satellitenbild der Woche: Riesiges Methanleck in den USA entdeckt. In: spiegel.de
  • Josh Gabbatiss: Coal mines emit more methane than oil-and-gas sector, study finds. Carbon Brief
  • Robert W. Howarth: Ideas and perspectives: is shale gas a major driver of recent increase in global atmospheric methane? In: Biogeoscience
  • Fracking boom tied to methane spike in Earth's atmosphere. In: National Geographic

Daneben sollte auch berücksichtigt werden, dass zum Thema Kuh und Methan noch einige weitestgehend ungeklärte Sachverhalte bestehen, die vermuten lassen, dass Rinder teilweise zu Unrecht beschuldigt werden.

Ungeklärte Zusammenhänge zwischen Methan & Kühen

Betrachtet man beispielsweise Satellitenbilder der ESA (European Space Agency) in Deutschland und anderen Regionen, fällt auf, dass die Methankonzentration in weitgehend rinderfreien Regionen am höchsten ist.

Auch der Weltklimarat (IPCC) bestätigt, dass die Zusammenhänge zwischen Luft, Boden, Gras und Tier noch nicht ausreichend erforscht sind. Denn Fakt ist auch, dass der Boden einen Teil des von Kühen ausgeschiedenen Methans wieder aufnimmt.

Es wird schnell klar, dass künftig weitere Studien nötig sein werden, um valide Aussagen zu treffen.

Fazit: Die Kuh ist kein Klimakiller

Die Kuh als klimaneutral darzustellen wäre nicht richtig. Jedoch ist die Aussage "die Kuh ist ein Klimakiller" ebenso falsch.

Aufgrund der Fakten lässt sich bestätigen, dass Kühe beim Methanausstoß eine untergeordnete Rolle spielen. Ihr Beitrag ist deutlich geringer, als es durch den Aufschrei in den Medien den Anschein erweckt. 
Soll hier von den wahren Ausstoßquellen abgelenkt werden?

So beträgt der Anteil der Wertschöpfungskette für Milch weltweit lediglich 4 % der gesamten Treibhausemissionen. Der größte Teil wird vom Menschen selbst verursacht. Gerade der von Menschen verursachte erhebliche CO2 Ausstoß, welcher im Vergleich zum Methan wesentlich länger in der Atmosphäre verweilt, ist die Hauptursache der Klimaproblematik.

Zu guter Letzt ist es Fakt, dass Kühe zentrale Nahrungslieferanten für den Menschen darstellen. Besonders zu erwähnen ist in dem Zusammenhang, dass gerade die Nutzung des Grünlandes nur durch den Wiederkäuer in für Menschen hochwertig verwertbare Nahrungsmittel möglich ist. Zudem sind kultivierte Grünlandflächen im Zusammenhang mit dem Klimawandel unverzichtbare CO2 Speicher. Ein Hektar Grünland bindet ca. 6 to CO2 und setzt ca. 4 to Sauerstoff frei.

Daher erscheint es deutlich sinnvoller alle Prozesse der Milchproduktion näher zu beleuchten und Einsparpotenziale zu nutzen. Einige dieser Optimierungspotenziale wurden bereits, durch die Umgestaltung der Düngerlagerung und dessen Ausbringung, sowie durch besser verdauliches Grundfutter und durch die Verminderung der Nachzucht von Jungvieh realisiert. Auch ist die Anzahl der Kühe in Deutschland ist seit 1990 bereits um 30 % zurückgegangen.

Quelle:

  • Statistisches Bundesamt , UBA - Treibhausgasemissionen in Deutschland 2019; errechnet vom FÖRDERKREIS AGRARWISSENSCHAFTEN e.V. In: www.co2-acker.de

Somit lässt sich nicht nur sagen, dass die Kuh kein Klimakiller, sondern auch, dass umweltbewusstes Handeln sehr wohl mit dem Genuss von Milch und Milchprodukten vereinbar ist.

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